Hansi Flick will nicht mehr Bayern-Trainer sein. Sein angekündigter Abgang im Sommer ist ein schwerer Schlag ins Kontor des Rekordmeisters. Denn das Flick-Aus schwächt den FC Bayern München gleich an mehreren Fronten.

1. Folge – Bayern braucht einen neuen Trainer

Hans Flick will nicht mehr. Der 56-jährige Erfolgstrainer wird den FC Bayern München im Sommer verlassen. „Ich möchte im Sommer raus aus meinem Vertrag. Ich habe meine Entscheidung nach reiflicher Überlegung getroffen“, sagte Flick am Samstag zur Überraschung vieler im Sky-Interview. Damit stehen die Münchner in Kürze ohne Trainer da. Die Bayern müssen sich unnötigerweise – sofern sie sich vertraglich nicht völlig quer legen sollten – einen neuen Star-Trainer suchen. Eine hausgemachte Baustelle, weil die Bayern sich intern und extern so lange zerfleischten, bis einer der Protagonisten nicht mehr wollte. Hoeneß, Salihamidzic und Co. nahmen die Bedürfnisse, Wünsche und Wut von Flick zu wenig ernst. Jetzt ist er fast weg und sie können schauen, wer den Job ähnlich gut machen könnte. Kein leichter Job für den Nachfolger. Unter Hansi Flick wurde Bayern wieder zur gefürchteten Bestia Negra in Europa.  

2. Folge – Ein neuer Star-Trainer ist schwer zu bekommen

Die ganze Welt weiß inzwischen, wie Trainer bei Bayern München behandelt werden. Carlo Ancelotti, Nico Kovac und jetzt Hansi Flick. Keiner der letzten drei renommierten Trainer konnte so arbeiten wie er wollte. Alle hatten sie einen schweren Stand. Die ständigen Reibereien mit den zahlreichen Machtmenschen im Klub reibten auch negativ am jeweiligen Trainer. Kovac und Flick wollten ihre Lieblingsspieler zum Verein holen. Doch Beide bekamen ihre gewünschten Kader-Verstärkungen nicht. Veto von Oben. Stattdessen wurden ihnen ungewollte Spieler vor die Nase gesetzt. 

Welcher Star-Trainer wird sich das als Nächstes gefallen lassen? Nicht viele! Was die kommende Trainer-Auswahl der Bayern erschweren und einschränken sollte. Auch wenn Bayern München einer der fünf besten Klubs Europas ist, die Arbeitsbedingungen in einer Firma entscheiden stark mit mit, ob sich ein Bewerber für oder gegen den möglichen neuen Arbeitgeber entscheidet. Und bei Bayern ist gerade Unruhe, Unsicherheit und Unbill an der Tagesordnung. 

3. Folge – Ein Rangnick wird nicht neuer Bayern-Trainer

Ex-Schalke, -Hoffenheim und -Leipzig-Chef Ralf Rangnick ist dafür bekannt, dass er die gesamte Macht in einem Verein inne haben will. Das Amt des Trainers alleine auszuüben, genügt ihm nicht. Der Macher und Visionär will auch bei den Transfers mitreden und den Verein nach seinen Vorstellungen zukunftsfit machen. Ohne, dass ihm sonderlich viel dreingeredet wird. Das wird beim FC Bayern nicht gehen. Hier prallen zwei Welten aufeinander, die nicht miteinander kompatibel sind. Ralf Rangnick, überall, wo er war, höchst erfolgreich, wird unter diesen gegebenen Umständen nicht der neue FC Bayern Trainer werden. Vielleicht wird ein Learning aus dieser Causa für die Bayern-Bosse sein, sportliche Kompetenzen und Verantwortung abgeben zu müssen – und nicht mehr alles über den Kopf des Trainers hinweg bestimmen zu können.    

4. Folge – Der neue Trainer kostet vermutlich sehr viel Geld 

Die Corona-Krise ist auch an den Bayern nicht spurlos vorübergegangen. Der Verein kann nicht mehr so mit dem Geld um sich werfen wie zu besseren Zeiten. Da kommt der bevorstehende Abgang von Hansi Flick die Bayern noch teurer zu stehen. Statt das Geld nutzbringend in eine namhafte Spielerverstärkung zu investieren, brauchen sie das Geld nun für einen neuen Trainer. RB-Leizpig-Coach Julian Nagelsmann soll auf dem Wunschzettel der Bayern-Bosse ganz oben stehen. Doch der kostet viel Geld, wenn er aus seinem laufenden Vertrag herausgekauft werden soll. Bis zu 20 Millionen Euro soll der Spaß kosten. Geld, das die Münchner besser mal in einen zweiten treffsicheren Stürmer investieren sollten. Die stiefmütterliche Behandlung von Flick kommt Hoeneß und Salihamidzic finanziell teuer zu stehen. Und wenn man sieht, wie früh mit dem aktuellen Kader heuer das Aus in der Champions League kam und wie knapp Verfolger Leipzig inzwischen an den Bayern dran ist, brauchen sie jeden Euro für die Zusammenstellung einen verbesserten Kaders 2021/22. 

5. Folge – Die Bayern verlieren den perfekten Bayern-Trainer 

Hansi Flick hat alles, was sich die Bayern-Bosse von einem Bayern-Trainer nur wünschen können. Er verfügt über einschlägigen Stallgeruch, lässt überaus attraktiven Offensivfußball spielen, sammelt Titel (der 7. Titel liegt in wenigen Wochen abholbereit) und ist bei Mannschaft wie Fans äußerst beliebt. Außerdem kitzelt Flick aus seinen Spielern das Beste heraus (Müller, Boateng, Lewandowski) und ist als Sahnehäubchen oben drauf auch noch ein sympathischer Werbebotschafter für den ganzen Verein. Ob die Bayern demnächst noch einmal so einen perfekten Trainer finden werden, darf bezweifelt werden.   

6. Folge – Riesiger Imageschaden für Hasan Salihamidzic

Hansi Flick geht, weil er die Schnauze voll hat von den ewigen Streitereien mit Hasan Salihamidzic. Trainer und Sportvorstand können nicht miteinander und ließen die ganze Welt an ihrer gegenseitigen Abneigung teilhaben. Hansi Flick hatte auf einer Pressekonferenz gesagt, dass der Kader in diesem Jahr nicht mehr so gut wie letztes Jahr zusammengestellt sei. Ein Schlag in die Magengrube seines Sportvorstands. Weil Hansi Flick nun entnervt das Handtuch geworfen hat, hat sein Boss Hasan Salihamidzic den monatelangen Machtkampf gewonnen. Nicht aber, ohne selber schlimme Verluste erlitten zu haben. Der 44-jährige Bosnier darf zwar bei Bayern bleiben, allerdings in persönlich klar geschwächter Position. Weitere kapitale Fehler darf sich „Brazzo“ in nächster Zeit trotz Hoeneß-Rückenstärkung nicht mehr leisten. Zu sehr ist sein Image inzwischen in der Öffentlichkeit angeschlagen.  

7. Folge – Riesiger Imageschaden für die Bayern

Der FC Hollywood ist zurück. Der Bayern hat sich mit diversen Graben- und Machtkämpfen von seiner schlechtesten Seite gezeigt. Hasan Salihamidzic ist nicht der einzige große Verlierer. Der ganze Verein hat mit den Soap-Opera ähnlichen Dauerquerelen seinen sonst blendenden Imagewerten in der Öffentlichkeit großen Schaden zugefügt. Wollen die besten Spieler der Welt jetzt noch zu den Bayern kommen oder gehen sie diesen Sommer lieber woanders hin? Zumal diese jetzt auch schwarz auf weiß wissen: Wenn mich der Sportvorstand holt (Sarr, Roca, Costa), heißt das noch lange nicht, dass der Trainer mich haben will. Es kann sein, dass ich auf der Bank versauere, wenn Salihamidzic mich holt. 

Und noch eine Folge abseits der Bayern – Lothar Matthäus wird nicht Bundestrainer

Der DFB dürfte damit seinen neuen Trainer gefunden haben. Hansi Flick wird aller Wahrscheinlichkeit im Sommer die Nachfolge des scheidenden Langzeit-Trainer Joachim Löw antreten. Die Experten verlautbaren, dass Flick die uneingeschränkt erste Wahl des DFB ist. Damit müssen sich wohl einige hoffnungsfrohe Trainer-Kapazunder von ihren Ambitionen verabschieden, der nächste Bundestrainer zu werden. Ralf Rangnick, Lothar Matthäus,…   

Video: Hans Flick verkündet live seinen Abschied vom FC Bayern

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