Das war Fast-Foot-Fußball vom Feinsten, was die DFB-Elf gegen die Esten spielte. Deutschland ließ den Ball so schnell zirkulieren, dass die Esten nicht hinterher kamen. Kein deutscher Spieler hatte den Ball länger als 2-3 Sekunden. Kein deutscher Spieler hatte mehr als 2-3 Ballkontakte. Ist das der neue Spielstil der deutschen Fußball-Nationalmannschaft? Eine Länderspiel-Nachlese zum fulminanten 8:0-Schützenfest von Deutschland über Estland.

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DEUTSCHLAND – ESTLAND

 

8:0

 

MARCO REUS (2x)
SERGE GNABRY (2x)
LEON GORETZKA
ILKAY GÜNDOGAN
TIMO WERNER
LEROY SANE

 

QUALIFIKATION FÜR DIE EURO 2020 – SPIEL 4

Die Aufstellung / Startelf gegen Weißrussland

Die Startelf

1 Neuer (C) – 2 Kehrer 4 Ginter 15 Süle 14 Schulz – 6 Kimmich 18 Goretzka – 19 Sané 20 Gnabry 21 Gündogan 11 Reus

Damit gab es zwei Änderungen in der Startelf gegenüber dem Weißrussland-Spiel vom Samstag. Statt Klostermann durfte Kehrer ran, für Tah rotierte Goretzka in die Mannschaft. Die Dreierkette aus dem letzten Spiel wich einer Viererverteidigung. 

Die Spielanalyse

Fast-Foot-Fußball

Das war Fast-Foot-Fußball vom Feinsten, was die DFB-Elf gegen die Esten spielte. Deutschland ließ den Ball so schnell zirkulieren, dass die Esten nicht hinterher kamen. Kein deutscher Spieler hatte den Ball länger als 2-3 Sekunden. Kein deutscher Spieler hatte mehr als 2-3 Ballkontakte. Ist das der neue Spielstil der deutschen Fußball-Nationalmannschaft? Das Fußball-Spiel gegen die Esten glich einem Handball-Spiel. Rund um den 16er der Gäste ließen Gündogan den Ball in endlos langen Pass-Schleifen zirkulieren. In einem Tempo, dass die Gäste zumeist erst gar nicht in die Nähe des Balles kamen. Das war sehr stark. Die weltmeisterlichen Franzosen setzen auf Speed-Überfalls-Fußballs bei Kontern, die Deutschen auf Speed-Ballbesitz-Fußballs. Die teils 85 Prozent Ballbesitz für Deutschland grenzten beinahe an Mobbing der Esten. 

Der 2. Hauptgrund für das 8:0

Es gab noch einen zweiten Grund, wieso das Ländermatch wie auf einer schiefen Ebene verlief. Die DFB-Elf ließ nicht nur den Ball extrem schnell in den eigenen Reihen zirkulieren, die Spieler selbst wechselten in einer Tour ihre Feldposition. Reus war mal außen, mal vorne im Sturm, dann wieder zentral im offensiven Mittelfeld. Die Esten wussten gar nicht, wo auf dem Spielfeld sich gerade ihr Mann befindet. Die Rotation verwirrte den Gegner und brachte Freiräume für die Deutschen. 

Deutschland hat keine langsamen Spieler mehr

Wenn man den Spielen der neuen deutschen Nationalmannschaft zuschaut, fällt auf, dass es im Team keinen einzigen langsamen Spieler mehr gibt. Keine Gomez mehr, keinen Khedira mehr, keinen Müller mehr. Die jetzt auf dem Feld stehen, verfügen durch die Bank über einen enormen Grundspeed.

Deutschland hat keine Anti-Kicker mehr

Früher stopften noch Eilts und Frings die Löcher im DFB-Mittelfeld. Ihre einzige Aufgabe bestand darin, den Feind zu stoppen. Ob sie kicken konnten, war eher unerheblich. Heute ist jeder Spieler in der deutschen von hinten bis vorne, vom Torhüter über die Innenverteidiger und Mittelfeldspieler bis hin zu den Stürmern ein sehr guter Techniker. Die Zeiten eines Eilts, Frings oder Gomez sind vorbei. Die neue Generation im DFB-Team ist spielerisch durchwegs begnadet.

Deutschland hat keine Kopfballspieler mehr

Da, wo einst Horst Hrubesch, Kalle Riedle oder Miroslav Klose den Gegner das Fürchten lernten, stehen jetzt Reus, Gnabry oder Werner drin. Alles keine Kopfballungeheuer. Die Zeiten der vielen Stürmer-Kopfballtore dürften im deutschen Nationalteam bis auf Weiteres vorbei sein.

Gündogan lässt das Erdogan-Theater vergessen machen

Ilkay Gündogan war in beiden Länderspielen überragend. Der Mittelfeld-Chef hatte viele Ballkontakte, zeigte sich extrem ballsicher und leitete viele gute Aktionen ein. Endlich kann Gündogan im Team das abrufen, was er bei Manchester City Woche für Woche abliefert. So ist Gündogan einerseits eine echte Bereicherung für das deutsche Spiel und andererseits lässt er mit diesen Leistungen das leidige Erdogan-Theater endgültig vergessen. 

Deutschland gewinnt die Fans und Medien zurück

Dritter Sieg im dritten Spiel. Monatelang schien der DFB der Titanic zu gleichen, mit gewaltigem Eisberg voraus. Eine Krise jagte die nächste. Deutschland kam gar nicht mehr raus aus den Negativschlagzeilen. Im Juni 2019 hat es den Anschein, als hätte das deutsche Nationalteam seine Fans zurückgewonnen. Es hat den Anschein, als glaubten die Fans wieder an diese Mannschaft. Die Anzahl derer, die meinen, Deutschland wird 2020 Europameister, steigt kontinuierlich. Die Europameister-Träume sind keine Schäume mehr.  

Niemand vermisst mehr Müller, Boateng und Hummels

Hand aufs Herz: Wann hast du zuletzt an die Drei gedacht? Wir Deutschland-Fans haben uns inzwischen daran gewöhnt, dass sie nicht mehr da sind. Es ist normal.     

Man Of The Match

Ilkay Gündogan (siehe oben) 

Wird Sorg nun der Nachfolger von Löw?

Gut möglich, der Mann hat eine 100-prozentige Siegquote als Bundestrainer. Das muss ihm erst mal einer nachmachen. Auch Löw wurde einst als Assistent von Jürgen Klinsmann zum Bundestrainer ernannt. Andererseits hat Sorg in den beiden Spielen nur gegen Weißrussland und Estland gewonnen. So oder so: Im Herbst steht wieder Jogi Löw an der Seite.      

Der Verlierer der zwei Länderspiele: Jogi Löw!

Generell waren diejenigen die größten Verlierer, die bei den zwei Länderspielen gar nicht dabei waren. Antonio Rüdiger hat in Jonathan Tah einen ebenbürtigen Konkurrenten bekommen. Auch Leader Toni Kroos muss nach den exzellenten Leistungen von Ilkay Gündogan um seinen Stammplatz zittern. Der größte Verlierer von allen aber dürfte Jogi Löw sein. Deutschland spielte ohne ihn zwei Mal exzellent bis perfekt. Dieser Fakt gibt vor allem jenen Nahrung, die meinen, dass wir trotz Jogi Löw und nicht wegen Jogi Löw Weltmeister wurden.       

„Es hätte nicht viel besser laufen können. Ausschlaggebend war die Begeisterung der Mannschaft.“

Marcus Sorg, Fußball kann nach einem 8:0 manchmal so einfach sein

„Der Gegner kann keine Tore schießen, wenn wir den Ball haben““

Doppeltor-Schütze Marco Reus unterstützt die Rückkehr zum DFB-Ballbesitz-Fußball bester Zeiten

  • Die deutsche Leistung gegen Weißrussland 90% 90%

Ausgewählte Statistiken zum Spiel

In diesem Jahr erzielte weiland Torsten Frings das letzte direkt verwandelte Freistoß-Tor für Deutschland. Dank des Freistoß-Tores von Marco Reus gegen die Esten ist diese Statistik Vergangenheit

Spiele in Folge gewann Deutschland nun in EM- bzw. WM-Quali

Ballkontakte hatte Joshua Kimmich gegen die Esten. Nie zuvor seit Erhebung der Daten hatte ein deutscher Spieler mehr Ballkontakte. Rekord.

Mal hielt Manuel Neuer seinen Kasten sauber und spielte zu Null. Damit überholte er den großen Sepp Maier. Ebenfalls neuer Rekord.

Tore in 8 LSP schoss Serge Gnabry. Hält er die Quote, hält er nach 80 LSP bei 70 Toren. Damit wäre er bis auf einen Treffer an DFB-Rekordtorschütze Miroslav Klose dran

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Ausblick aufs nächste Länderspiel – Was gegen Holland besser werden muss

 1. EINFACH SO WEITERMACHEN: Dann schlagen wir die Holländer ein zweites Mal en suite. 

 2. ROBUSTER SECHSER: Gegen die wieselflinken und trickreichen Holländer könnten die Defensivkünste eines Gündogan zu wenig sein. Doch woher will Löw einen robusten, kampfstarken Sechser nehmen, wenn nicht stehlen? 

 3. U21 SPIELER HOCHZIEHEN: Ein Waldschmidt. Ein Eggestein. Und Andere. Sie hätten es sich verdient, sich als mögliche EM-Kandidaten im Teamdress zu zeigen (bei entsprechender Leistung bis September)