Das war endlich wieder das Österreich, das wir lieben. Und das wir fortan bitteschön immer sehen wollen. Gegen Nordmazedonien war endlich Leben in der Mannschaft. 90 Minuten Powerfußball – Arnautovic und Co. hätten gut und gerne auch „acht- oder neunstellig“ gewinnen können. Die zahllosen Chancen der ÖFB-Elf hätten für Nord- Süd- West – und Ostmazedonien zusammen gereicht. Die Länderspiel-Nachlese zu Nordmazedonien gegen Österreich.  

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NORDMAZEDONIEN – ÖSTERREICH

 

1:4

 

MARTIN HINTEREGGER (ET)

bzw.

VALENTINO LAZARO
MARKO ARNAUTOVIC (2x)
EGZON BEJTULAI (ET)

 

QUALIFIKATION FÜR DIE EURO 2020 – SPIEL 4

Die Aufstellung / Startelf gegen Nordmazedonien

Die Spielanalyse

Die Startelf

Es gab eine Änderung in der Startformation. Stefan Ilsanker kam statt des verletzten David Alaba. Der Leipziger mimte wie schon so oft in seiner Karriere den Staubsauger. Seine Aufgabe: den Mitspielern den Rücken frei halten, damit diese vorne freigeistig wirbeln können.

Nominell defensiver aufgestellt als im Heimspiel gegen die Slowenen, verteidigte Franco Foda vor Anpfiff seine Personalwahl: „Wenn man die Aufstellung sieht, denkt man sich, es ist defensiver, aber genau das Gegenteil ist der Fall.“ Österreichs Teamchef sollte recht behalten. 

Foda entdeckt Angriffsfußball für sich

Franco Fodas Mannschaften sind weithin dafür bekannt, dass sie einen kontrollierte Offensive im besten Rehhagel´schen Sinne spielen. Also defensiv eingestellt sind, erst mal die Null halten und vorne mit sporadischen kleinen Nadelstichen einen 1:0-Sieg ohne Gegentor herausfahren. Bei einem 2:0 spricht man bei Foda-Teams schon von einem klaren Kantersieg. Mit diesem Spielstil wurde der Deutsche mit Sturm Graz Meister. So feierte Foda seine größten fußballerischen Erfolge als Trainer.

Der Foda-Style war halt nur nicht schön anzuschauen. Auch im Nationalteam behielt der Teamchef seinen destruktiven Mauerfußball konsequenterweise bei. 

Jedoch sei hier angemerkt: Im Team verfügt Foda über Spieler ganz anderer Qualität, als seinerzeit bei Sturm Graz. Vor allem über offensivfreudige Pressingmonster aus dem Hause Red Bull. Die Bullen-Teamspieler kannst du nicht einfach so mir-nichts-dir-nichs an die kurze Leine nehmen. Damit beraubt Foda einen Lainer oder Lazaro ihrer größten Stärken. Gegen Nordmazedonien standen gleich acht jetzige oder frühere Red Bull Spieler in der Startelf, acht von zehn Feldspielern in der Anfangsformation hatten Red Bull Stallgeruch. Nun ist es aber leider so, dass Red Bull Spieler und das Foda´sche „Defensive Zuerst“-System nicht zusammen passen. Red Bull Spieler sind aus ihren Vereinen ein System „Offensive Zuerst“ gewohnt. Sie wollen pressen und angreifen, den Gegner unter Dauerdruck setzen. Sie sind es darüber hinaus gewohnt, als ganze Mannschaft anzugreifen. Franco Foda indes schickt im Rahmen seiner Strategie bevorzugt nur vereinzelt Spieler nach vorne. Die Anderen müssen hinten bleiben und den Laden dicht halten. Vor allem die Außenverteidiger wie Stefan Lainer oder Andreas Ulmer – beides hervorragende Assistgeber in ihren Vereinen – werden so fast völlig ihrer offensiven Stärken beraubt. Was sich auch in den Zahlen niederschlägt, die im Team viel schlechter ausfallen als in ihren Vereinen. Als Beobachter und Fan der rot-weiß-roten Nationalelf bekommt man den Eindruck, dass Foda mit seiner bisherigen Taktik seinen Spielern völlig unnötig die Flügel stutzte. 

Überraschung: Gegen Nordmazedonien spielte das ÖFB-Team nicht seinen gewohnten „verwalterischen“ Foda-Fußball, sondern erstmals echten Red Bull Fußball. Mit diesem neu ins Programm aufgenommenen offensiven Pressing-Fußball agierte die Nationalelf so erfolgreich wie wahrscheinlich noch nie zuvor in der Ära Foda. Österreich kann ganz offensichtlich Offensivfußball. Vielleicht brauchen Österreichs Spieler sogar diese Art von Fußball. Er steht der Mannschaft. Er passt zur Mannschaft. Hoffentlich lässt Foda sein Team ab sofort immer so spielen. 

Das war das Österreich, das wir lieben

Bravo, Österreich. Ein hochverdienter Sieg. 90 Minuten Powerfußball. Da war endlich Leben in der Mannschaft. Lazaro trifft endlich mal. Der bislang so glücklose Sabitzer glänzt mit Torvorlagen und einem exzellenten Spiel. Arnautovic bringt es auf den Punkt: „Das hätten wir auch acht- oder neunstellig gewinnen können.“ Dieses fulminante Spiel könnte der Brustlöser für einige rosige Zukunft gewesen sein. 

Wer war schuld am 0:1 – Hinti oder Lindner?

Meiner Meinung nach Lindner. Der GC-Goalie hat die Situation einfach falsch eingeschätzt. Es war schon Sekunden vor dem fatalen Kopfball von Hinteregger vorherzusehen, dass Hinteregger das Kopfball-Duell gewinnen wird. Dadurch war es vollkommen überflüssig, aus dem Tor herauszukommen. Alles, was danach passierte, entstand in meinen Augen als Folge des Lindner-Patzers.Wenn er drin bleibt, passiert genau nix.

Der Gegner hatte keine Chance – und führt 1:0. Das völlig unnötige Gegentor war nicht zuletzt Folge der schwelenden Kommunikationsprobleme innerhalb der Mannschaft. Fußball und Football News prangerte diesen Umstand bereits nach dem Slowenien-Spiel an. 

Ausgerechnet Hinteregger! Ausgerechnet unserem Vorzeigespieler der letzten Monate unterlief das Eigentor-Malheur zum 0:1 – unserem Besten der letzten Monate! 

Die Chancen hätten für Nord-Süd-West- und Ost-Mazedonien gereicht

Dafür kann Foda nun nix: Seine Spieler standen mehrmals allein vor dem gegnerischen Tormann und versemmelten die besten Gelegenheiten kläglich. Das Team produzierte eine Vielzahl an Großchancen, verwertete diese aber lange Zeit nicht. Es fehlt ein Stürmer im österreichischen Team, ein Knipser, der aus einer halben Chance ein Tor macht. Unsere Spieler machen aus einem Dutzend Chancen Null Null Nix daraus. Nach diesem Spiel tut es umso stärker weh, dass die Regierung Premier League Striker Ashley Barnes die österreichische Staatsbürgerschaft verweigert hatte. Die Regierung hätte schon damals gesprengt gehört. Was sollte das? Ansonsten bekommt in Österreich auch jeder die Staatsbürgerschaft hinterher geschmissen. 

Selbstbewusstsein des Stärkeren

Es war ein großartiger Auftritt, den Arnautovic und Co da hinlegten. Besonders beachtlich: Österreich blieb nach dem Rückstand dran. Manche frühere rot-weiß-rote Team wären nach so einem Schock in ihre Einzelteile zerfallen. Dieses Team aber nicht. Es machte weiter und weiter und weiter. Schon bald wurden die unergiebigen Spieler für ihren unbändigen Siegeswillen mit dem 1:1 und 2:1 bemüht. Diese Mannschaft weiß, wie gut sie ist.    

Foda: feurig, heiß, angestachelt – so kennen wir ihn gar nicht  

Noch in der letzten Länderspielanalyse kritisiert Fußball und Football News den Teamchef dafür, dass er kein Feuer in sich trage und so seine Mannschaft lähme. Dieses Mal mutierte Foda zum heißblütigen Latino an der Linie. Er schrie und gestikulierte wie ein Rumpelstilzchen, er puschte seine Mannschaft nach vorne, er ging mit unbedingtem Siegeswillen als leuchtendes Beispiel vorne weg. Der feurige Auftritt der ÖFB-Elf ist auch Verdienst des emotionalen Latino-Fodas. Österreichs Nationalteam-Chef scheint Fußball und Football News zu lesen…. (kleiner Smilie)    

Ein Kommentator, der mit seinem Land wunderbar mitfiebert  

Thomas König lebt Österreich und liebt Österreich. Nicht zuletzt dank seines Mitfieberns mit dem österreichischen Nationalteam war das Spiel so ein Spektakel. Danke dafür.

Haben wir die richtigen ÖFB-Team-Kapitäne?

Worauf ich mit dieser Frage abziele: Julian Baumgartlinger und David Alaba sind ständig verletzt. Mit Marco Arnautovic trug der 3. Kapitän die Schleife – also der Ersatzkapitän vom Ersatzkapitän! Vielleicht ist es eine Überlegung wert, den Kapitän zu wechseln. Es macht keinen Sinn, wenn Baumgartlinger und Alaba rund jedes zweite Länderspiel verletzt ausfallen. Ein Kapitän muss immer spielen!  

Posch feierte sein Länderspiel-Debüt

Konrad Laimer debütierte gegen Slowenien, Stefan Posch gegen Nordmazedonien. Hat Teamchef Franco Foda nach dem Debakel in Israel also doch Wort gehalten und die angekündigten Veränderungen im Nationalteam eingeleitet? Nein. Insofern nein, als beide Länderspiel-Premieren nur durch Ausfälle anderer Spieler zustande kamen (konkret: Baumgartlinger bzw. Dragovic). Und nicht proaktiv vom Teamchef selbst veranlasst wurden.

Aus beiden mehr als gelungenen Debüts könnte Foda folgende Erkenntnis ziehen: „Die Jungen im Nationalteam sich verdammt gut. Vielleicht sollte ich die nachrückenden Talente ja öfters mal von Beginn an spielen lassen!?“  

Salzburgs Albert Vallci muss indes auf sein Länderspieldebüt noch etwas warten, kam in beiden Spielen nicht zum Zug. 

Schlager mal hü, mal hott

Beim jungen Salzburger fällt auf, dass er einem guten Spiel ein schlechtes Spiel folgen lässt. Der Mittelfeld-Motor spielt nie über 2-3 Länderspiele gut. Da muss er noch konstanter werden, dann ist er ein ganz Großer. 

Konrad Laimer – soooo stark

Der Leizpiger Profi – da wächst ein ganz Großer heran. Unser ÖFB-Mittelfeld mit Laimer, Schlager und Grillitsch – es wird in Zukunft das Prunkstück unserer Mannschaft sein. 

Man Of The Match

Kaum zu glauben, dass dieser Name hier steht, aber es ist: Marcel Sabitzer! Nach vielen schwachen Spielen im Nationalteam weit unter seinen sportlichen Möglichkeiten und zahlreichen Unenschieden und Niederlagen, die auch auf seine Kappe gingen, weil er vorne einfach nichts zustande brachte, platzte dem Offensivkünstler gegen Nordmazedonien endlich der viel zitierte Knoten. Seine zwei Assists brachten die Wende im Spiel. 

Was war mit Alaba?

Hand aufs Herz: hast du während der packenden 90 Minuten auch nur einmal an den fehlenden Alaba gedacht. Wie schade es doch ist, dass er heute nicht dabei ist? Nein, Alaba ging nicht ab.

Apropos „War war mit …?“ …. Was war eigentlich mit Stefan Lainer los? Der war die zwei Spiele im Nationalteam ja ein Totalausfall.  

Der Gegner Nordmazedonien

Der Torhüter machte das Spiel seines Lebens, sonst wär es wirklich noch acht- oder neunstellig ausgegangen. So viele Räume wie Nordmazedonien Österreich über die 90 Minuten geboten hat, gibt es sonst nur im Buckingham Palace. Es war ein vogelwildes Spiel, da die Mazedonier mit Österreich mitspielen wollten. So verloren die Gastgeber ein ums andere Mal ihre mannschaftliche Ordnung, was zu zig Chancen für Österreich führte. Die zig Chancen für den Gegner schreckten die Mazedonier auch nicht sonderlich ab. Sie griffen weiter munter an, anstatt sich mit 11 Mann hinten hinein zu stellen (der hohe und überzeugende Sieg Österreichs ist natürlich auch dieser Tatsache geschuldet). Dadurch entstand ein unglaublich unterhaltsames Spiel mit dem richtigen Ende für Österreich. Endlich hat das ÖFB-Team einmal das riesige Potenzial abgerufen, das in dieser Mannschaft steckt.  

 Eine gute und eine schlechte Nachricht 

Die gute zuerst: Durch den Sieg kam Österreich bis auf einen Punkt an Israel heran, weil das Team von Andi Herzog 0:4 in Polen unterging. Die schlechte Nachricht: Slowenien gewann ebenfalls (5:0 auswärts in Lettland) und klebt dem ÖFB-Team damit dicht auf den Fersen – mit nur einem Punkt Rückstand. Polen bleibt weiterhin Tabellenführer, ganze sechs Punkte vor Österreich. Die Foda-Truppe machte damit also zwei wichtige Punkte auf Israel gut, aber keinen auf Polen – Slowenien ließ sich leider nicht abschütteln.

Dennoch: Österreich ist wieder mittendrin statt nur dabei. Nur ein Punkt fehlt auf den entscheidenden 2. Platz in der Gruppe G.

Schon im Herbst kann sich die Foda-Truppe mit einem Sieg gegen Lettland diesen zweiten Platz holen – wenn Israel zu Hause gegen Nordmazedonien patzt. Danach wartet allerdings gleich das schwere Auswärtsspiel in Polen.  

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  • Die österreichische Leistung gegen Nordmazedonien 90% 90%

„Der Sieg war hochverdient, wir haben schon in der ersten Hälfte viele hundertprozentige Chancen vorgefunden. In diesem Jahr haben wir immer wieder Fortschritte gehabt. Auch in allen diesen Spielen davor. Wir haben aber zu wenig aus den Torchancen gemacht so wie heute in der ersten Hälfte. Da müssen wir noch konzentrierter sein. Auch die jüngeren Spieler wie Laimer oder Posch haben ihre Sache sehr gut gemacht. Klar ist, dass der Konkurrenzkampf größer geworden ist.“

ÖFB-Teamchef Franco Foda ist top-zufrieden mit seiner Elf

„Gegen Polen haben wir unglücklich verloren (Anm.: 0:1 am Freitag), gegen Österreich war die Niederlage verdient. Österreich ist auf einem Level mit Polen.“

Rosen fürs Nationalteam vom gegnerischen Teamchef, Igor Angelovski

Ausgewählte Statistiken zum Spiel

Tore schoss Marko Arnautovic für Österreich. Damit fehlen ihm nur mehr 4 Tore, um Stürmerlegende Marc Janko einzuholen

Tore in 4 Spielen schoss Marko Arnautovic

Ausblick auf die nächsten Länderspiele im Herbst gegen Lettland (H) und Polen (A) 

„1. Kinder“ an die Macht. Unsere Jungen sind so gut. Laimer, Posch – Foda sollten die Young Guns ab sofort regelmäßig spielen statt diese auf der Bank versauern zu lassen

 2. Der offensive Spielstil liegt der Mannschaft. Foda sollte im Herbst nicht zurückrudern und gegen Lettland oder Polen wieder in alte Muster verfallen. Wenn wir dominant spielen, spielen wir gut.

 3. Viele Journalisten jubelten dass es das stärkste Spiel unter Foda war. Ich halte mich da noch etwas zurück – dafür waren die Gegner einfach viel zu schwach. Gegen die starken Polen auswärts müssen wir mit einem dominanten Sieg beweisen, dass wir die Besten in dieser Gruppe sind.