Le´Veon Bell war über Jahre hinweg einer der besten NFL-Runningbacks. Zusammen mit Quarterback Ben Roethlisberger und Wide Receiver Antonio Brown bildete dieser die gefürchteten Killer-Bs. Dann traf der extrovertierte Superstar eine fatale Fehlentscheidung.

Le´Veon Bell war Mitte der 2010er-Jahre das, was Derrick Henry jetzt ist. Der wohl beste Running Back der gesamten NFL. 2013 als Zweitrundenpick im Draft gewählt, schlug Bell voll ein und dominierte 5 Jahre lang nicht nur das Backfield der Pittsburgh Stellers, sondern dominierte die gesamte Liga. Schon in seinem ersten Jahr schaffte der Rookie acht Touchdowns. Insgesamt sammelte der Steeler 35 Touchdowns in fünf Jahren sowie 5.336 Rushing-Yards an.

Bell war berühmt für seine verzögerten Läufe. Während andere Runningbacks zumeist wie eine Rakete nach vorne schießen, legte der Steelers-RB erst ein zwei kleine abwartende Schritte ein, um in dieser Zeit die beste Lücke für seinen weiteren Lauf zu finden. Dieser Laufstil war neu. Dieser Laufstil revolutionierte die Liga. Viele College-Quarterbacks kopierten seinen Stil und wollten so wie er sein. 

Dazu kam, dass Le´Veon Bell als Dual Threat die gegnerischen Defenses auseinandernahm. Zu einer Zeit, in der die meisten anderen Running Backs der Liga nur laufen konnten, fing Bell massenweise Pässe seines berühmten Quarterbacks Ben Roethlisberger (der damals ebenfalls noch in seiner Hochblüte war) – 854 Yards waren es in seinem besten Jahr 2014. Der dreifache Pro Bowler fing die meisten Bälle und erzielte die meiste Yards pro Fang. Außerdem stellte er einen Rekord von NFL-Legende Walter Payton ein, indem er drei Spiele in Folge über 200 Yards Raumgewinn erzielte.  

Quarterback Ben Roethlisberger, Runningback Le´Veon Bell und Wide Receiver Gott Antonio Brown bildeten in Pittsburgh eines der berühmtesten Angriffsduos aller Zeiten, weswegen sie auch die Killer B(ee)s genannt wurden (3x das „B“ im Nachnamen“) – übersetzt: die Killer-Bienen. Doch anstatt dass die drei Superstars von Superbowl zu Superbowl eilten, zerfiel das dynamische, aber auch sehr konfliktträchtige Trio (jeder wollte Superstar Nr. 1 sein) vor dem großen Wurf. Weil Le´Veon Bell den größten Fehler seiner Karriere machte.

Wenn Geldgier deine Karriere lahmlegt und deine Hall of Fame Karriere ruiniert

Le´Veon Bell war 2017 am Höhepunkt seiner Karriere. An diesem Punkt wurde der Gute übermütig. Und extrem geldgierig. Die Steelers boten ihm viel Geld, dass er auf Jahre hinaus verlängert, bleibt und mit Big Ben und AB endlich den Superbowl nach Pittsburgh zurückholt. Doch die vielen Millionen waren ihm nicht genug. Er wollte den größten Deal der Runningback-Geschichte haben. Diesen konnten ihm die Steelers nicht geben. Auch um das Gehaltsgefüge im Team nicht komplett zu zerstören (Stichwort Salary Cap).

Anstatt dass der exzentrische Runningback doch einlenkt, den millionenschweren Superdeal annimmt und an seiner Hall of Fame-Karriere weiterarbeitet, schoss sich Bell bis zum heutigen Tag ins sportliche Out. 

Sit Out 2018 – Bell streikt sich ins Aus

Nachdem sich Bell und die Steelers auf keinen neuen Vertrag einigen konnten, passierte Folgendes: Le´Veon Bell streikte. Der geldgierige Sturkopf wollte partout nicht mehr für die Steelers spielen. So kam es, dass er seine bis dato außergewöhnliche Karriere lieber ein ganzes Jahr aussetzte, als weiterhin für eines der besten NFL-Teams zu spielen. Der designierte Nachfolger von Jerome „The Bus“ Bettis hatte die Schnauze voll. Pittsburgh wollte ihn aus nachvollziehbaren Gründen nicht ziehen lassen und belegte den abwanderungsfreudigen Bell 2018 kurzerhand mit dem Franchise Tag, den der Wechselwillige aber nicht unterschrieb. Schon die Saison davor (2017) hatte ihn sein Team mit dem Franchise Tag belegt. 

2018 hätte ihm der hoch dotierte Franchise Tag stolze 14,5 Millionen Dollar gebracht. Anstatt diesen warmen Geldregen zu nehmen und danke zu sagen, saß er die gesamte Saison freiwillig aus. Und verlor durch seinen Streik 850.000 Dollar an Lohn. Jede Woche. Ein herbes Verlustgeschäft für den für viele besten Runningback der Liga.

Bell spekulierte seinerzeit damit, dass er bei seinem neuen Team so viel Geld mit einem Mehrjahresvertrag einheimsen wird, dass er das verlorene Jahr wieder hereinholt. Denn nach seinem Streikjahr war er ein Free Agent, konnte bei jedem Team anheuern.  

Ausgerechnet die Jets – Der Anfang vom Ende einer einst großen Karriere

Die Spekulationen überschlugen sich, wo RB-Superstar Le´Veon Bell unterschreiben wird. Die Ernüchterung war allseits enorm groß, als es die Jets wurden. Der schwierige Superstar wechselte ausgerechnet zu einem chronischen Verliererteam ohne unmittelbaren Aussicht auf Erfolg. Das hatte den Grund, das die New Yorker 2019 eines der ganz wenigen Teams waren, das sich die Runningback-Diva leisten konnten – der Deal war pompös: Der Ex-Steeler bekam 52,5 Millionen Dollar für vier Jahre zugestanden. Auch um als Waffe im Backfield den jungen Sam Darnold zu entlasten. Mit Bell sollte in New York alles besser werden. Doch nichts wurde besser. 

Wie sich schnell herausstellte, haben sowohl Team als auch Spieler bei der Vertragsunterzeichnung einen ihrer größten Fehler im Leben gemacht. Bell stürzte als Runningback ab, seine Zahlen waren ein Graus hinter einer grausigen O-Line, die löchrig wie ein Schweizer Käse war. Die Jets hatten unnötigerweise Unsummen für einen unterdurchschnittlichen Runningback bezahlt, der nicht liefert. So trennten sich die Wege nach nicht einmal zwei Jahren wieder. Das Ganze ging als Riesen-Missverständnis mit mickrigen vier Touchdowns in 17 Spielen in die Geschichte ein. Bell verlor nicht nur ein Jahr seiner Karriere durch seinen Streik, sondern auch seine Prime Time als Runningback bei einem desolaten Loserteam. Wäre er nur in Pittsburgh geblieben…

Übrigens schmierten unterdessen in Pittsburgh auch die Karrieren von Ben Roethlisberger (Alter, Verletzungen) und Antonio Brown (Problemboy) ab. Der unschöne Weggang von Bell ließ die Killer Bees implodieren und Pittsburgh schwächeln. 

Bells letzte sportliche Zucker

Anstatt eine Ära zu prägen, setzten ihn die Jets 2020 unter der Saison vor die Tür. Dieses finanzielle und sportliche Desaster hätte zu seinem großen persönlichen Glücksfall werden können, eine klassische „Jetzt wird doch noch alles gut Wende im Leben“. Denn das mit Abstand beste Team der Liga war RB-needy und nahm ihn unter Vertrag. Die Kansas City Chiefs. Nun war Bell endlich bei dem Team, mit dem er die Liga dominieren und den Superbowl gewinnen konnte. Das taten die Chiefs im Jahr vor Bell. Niemand konnte ihnen das Wasser reichen, ihre Offensive ging in diesem Jahr als eine der besten aller Zeiten in die Geschichte ein – die Chiefs gewannen mit einem atemberaubenden Comeback gegen die San Francisco 49ers die Meisterschaft. Glück für Bell: Die Chiefs sollten 2021 ein weiteres Mal in den Superbowl einziehen, dieses Mal gegen die Tampa Bay Buccaneers mit Tom Brady. Doch Pech für den Veteran Rusher: Le´Veon Bell spielte keine Rolle (wie schon bei den Jets zuvor). Headcoach Andy Reid ließ den Mann mit der großen Klappe, aber den unterdurchschnittlichen Leistungen nur sporadisch ran. Der einstige Steelers-Superstar musste fast immer von der Bank anschauen, wie seine Kollegen zum Superbowl-Einzug marschierten (und dort gegen die Tampa-Defense völlig untergingen).  

Nach der Saison wollten, nach den Jets, auch die Chiefs nicht mehr mit dem tief gefallenen Superstar weiterarbeiten. Wieder war Bell ohne Team. Monat um Monat ohne neuen Kontrakt verging, bis sich die Baltimore Ravens im September 2021 seiner erbarmten und ihn aufnahmen. Jedoch nur im Practice Squad, also als Ersatzmann für die Starter. Was für eine Blamage für den Mann, der einst als sicherer Hall of Famer galt (das hat sich erledigt). Wochenlang musste der Superstar a.D.  im Practice Squad mit No Names trainieren. Darauf hoffend, dass eines Tages der Aufruf von  Headcoach John Harbaugh kommt: „Le´Veon, wir brauchen dich!“

Tatsächlich kam der Tag. Bell wurde in den Roster befördert. Allerdings musste sich die frühere uneingeschränkte Nr. 1 der Steelers mit der für ihn unbefriedigenden Rolle als 3. Runningback hinter Latavius Murray und Devonta Freeman begnügen. Auch hier ging eines der früheren 3 Killer Bs mit Pauken und trompeten unter. Der 29-jährige Bell averagte nur mehr 2,7 Yards per Carry (Karriere-Low) und kam in vier der fünf Spiele nicht über 18 Total-Yards. Die Ravens zogen die Reißleine. Nach nur fünf Spielen. Womit sehr fraglich ist, ob der gealterte Bell noch ein weiteres NFL-Spiel in seiner Karriere bestreiten wird.

Denn nach seinem Abgang von den Steelers war Le´Veon Bell nie mehr der Alte. 

Alte Leute werden auf ihrem Sterbebett manchmal gefragt, was sie in ihrem Leben am meisten bereuen. Le´Veon Bell wird sagen: „Dass ich damals wegen Geldgier die Steelers verlassen habe…“