Die unglaublichen 182 Millionen für Sommertransfers zahlen sich bislang voll aus für die Reds – Die Klopp-Truppe spielt bislang national wie international eine perfekte Saison
◊ Alisson / 62,5 Millionen Euro
◊ Naby Keita / 60 Milllionen Euro
◊ Fabinho / 45 Millionen Euro 
◊ Xherdan Shaqiri / 14,70 Millionen Euro

= 182,2 Millionen Euro Gesamtausgaben für Transfers in diesem Sommer 

Die Transfer-Lehren aus dem verlorenen Champions League Finale gegen Madrid

Wirft man einen Blick auf die Neuzugänge, hat der FC Liverpool sichtlich seine Lehren aus der fatalen Niederlage im Champions League Finale gegen Real Madrid gezogen – und die Mannschaft über den Sommer mit etlichen Hochkarätern verstärkt. Vor allem die wackelige, verbesserungswürdige Defensive wurde massiv aufgewertet. Zu augenscheinlich waren gegen Real und in der Meisterschaft die Defizite im Liverpooler Defensiverbund.

Die größte Baustelle im Team legten die Liverpooler mit der Verpflichtung eines Weltklasse-Torhüters still. Gekauft wurde für die Rekordsumme von 62,5 Millionen Euro der brasilianische Team-Goalie Allison. Hätten die Reds im Mai einen Torhüter von internationaler Klasse im Tor gehabt, dürfte sich Jürgen Klopp wohl jetzt Champions League Sieger nennen.

Alisson war nicht der einzige Rekordtransfer der Liverpooler in jüngerer Vergangenheit. Schon vor der Rekordsumme für einen Torhüter zahlten die Merseysider eine Rekordsumme für einen Innenverteidiger. Liverpool machte Virgil van Dijk um den Jahreswechsel mit gut 80 Millionen Euro zum teuersten Innenverteidiger der Welt. 

Eine weitere Lehre aus dem verlorenen Champions League Finale war die Notwendigkeit der Neubesetzung der defensiven Mittelfeld-Zentrale. Auch in diesem Bereich reagierte der langjährige englische Rekordmeister und verpflichtete für über 100 Millionen Euro die kampfstarken Mittelfeld-Strategen Naby Keity (Leipzig) und Fabinho (Monaco). Gegen Real gaben Klopps Spieler mit Fortdauer der Partie die Hoheit im Mittelfeld an die Spanier ab. Das soll ihnen in dieser Saison nicht mehr passieren.

Die Transfer-Unsummen machen sich längst bezahlt. In der Liga kassierten Alisson, van Dijk, Keita und Co. in fünf Spielen gerade einmal 2 Tore. 5 Spiele, 5 Siege und Tabellenplatz 2 sind bei Liverpool die Früchte des Zorns aus dem verlorenen Champions League Finale … sowie der passgenauen Millionen-Transfers. 

Die qualitative Balance zwischen Offensive und Defensive stimmt nun endlich

Liverpool hat nach fünf Spieltagen die beste Abwehr der Liga. Zum Vergleich: In der letzten Premier League Saison war man von den Top 4 das schlechteste Team bei Gegentoren, aber das Zweitbeste bei den erzielten Toren. Auch in der Champions League ergab sich ein ähnliches Bild: Die 23 Tore  in der Gruppensaison waren der zweitbeste Wert hinter PSG, die 6 Gegentore bedeuteten aber den schlechtesten Wert und letzten Platz unter allen 8 Gruppensiegern (gemeinsam mit AS Rom). Es war bewerbsübergreifend offensichtlich: Die Reds gewannen in der letzten Saison ihre Spiele mit Offensiv-Power und verloren ihre Spiele aufgrund von Defensiv-Mängeln.

In dieser Saison ist die Balance zwischen Offensive und Defensive so gut wie schon lange nicht mehr an der Anfield Road. Die Schwachstellen in der Mannschaft wurden endlich gezielt ausgemerzt. Schon lange rief man in Liverpool beispielsweise lautstark nach einem überragenden Torhüter. Simon Mignolet war bei den Fans längst unten durch, spielte trotzdem immer wieder mehr schlecht als recht als Nummer 1. Mit Loris Karius holte man zur Verwunderung vieler die Nummer 6 oder 7 der deutschen Torhüter. Die Rechnung bekam man im Champions League Finale präsentiert, als Karius im Alleingang das Finale verlor. Der Schock saß so tief, dass seitdem kein Stein auf dem anderen blieb. Liverpool avancierte zum Großeinkäufer Europas und gab im Sommer so viel Geld für neue Spieler aus wie der Scheichklub Paris St. Germain. Dabei wurde das Augenmerk endlich auf Klasse statt Masse gelegt. So kommt es, dass die Mannschaft aus England inzwischen so exzellent besetzt ist, dass beim Champions League Auftakt gegen PSG ein Keita oder Fabinho auf der Bank saßen – ebenso wie ein Firminho.

Liverpool gehört wieder zur Creme de la Creme des europäischen Fußballs

Als Jürgen Klopp im Oktober 2015 den für seine Verhältnisse darniederlegenden Traditionsklub übernahm, versprachen sich die Verantwortlichen nichts anders als die lang ersehnte Rückkehr zu altem Glanz und alter Stärke. Nicht weniger als eine Wiedergeburt des einst so stolzen und erfolgreichen Klubs sollte der Heilsbringer aus Deutschland bewirken. Drei Jahre später ist es tatsächlich soweit: Liverpool ist wieder wer in Europa. Der Klub ist dank Klopp wieder in aller Munde. Er, genauso wie der Verein, werden europaweit gepriesen und verehrt. Die besten Spieler der Welt wollen wieder zu den Reds wechseln. Und die sportlichen Erfolge sind, bis auf einen groben Schönheitsfehler, auf den wir gleich zu sprechen kommen, phänomenal.

Denn Jürgen Klopp und sein Team spielen bislang eine perfekte Saison. 6 Siege in 6 Pflichtspielen. Klopp zauberte den besten Saisonstart seit 57 Jahren bzw. seit der Saison 1961/1962 hin. Niemand kann die Reds zur Zeit stoppen. Nicht einmal das mit Stars gespickte Ensemble von Paris St. Germain hatte in der Champions League einen Auftrag. Liverpools letzte Pflichtspiel-Niederlage datiert aus dem Mai dieses Jahres – als man die Champions League gegen Real Madrid verlor.

Perfekte Saison für Liverpool

Die makellose Bilanz 2018/19

BewerbGegnerErgebnis
Premier LeagueWest Ham United4:0
Premier LeagueChrystal Palace0:2
Premier LeagueBrighton & Hove1:0
Premier LeagueLeicester City1:2
Premier LeagueTottenham Hotspur1:2
Champions LeagueParis St. Germain3:2

Der Schönheitsfehler

Das DFB-Pokal-Finale 2012 mit Borussia Dortmund (5:2 gegen Bayern München) war Jürgen Klopps letzter Titel. Seitdem verlor er alle Endspiele, in denen er als Trainer mitwirkte.

Klopps Final-Niederlagen – die Liste des Grauens

◊ Champions-League-Finale 2013 gegen Bayern München (1:2)
◊ DFB-Pokal-Finale 2014 gegen Bayern München (0:2)
◊ DFB-Pokal-Finale 2015 gegen VfL Wolfsburg (1:3)
Englischer Liga Cup 2016 gegen Manchester City (1:3 n.E.)
◊ Europa-League-Finale 2016 gegen FC Sevilla (1:3)
◊ Champions-League-Finale 2018 gegen Real Madrid (1:3)

Ein Titel muss her

Eines ist klar: Klopp muss (!) dieses Jahr einen Titel mit Liverpool holen. Mit dieser Mannschaft und mit diesen Verstärkungen ist ein Titelgewinn alternativlos. Wenn es nicht die Champions League oder der Meistertitel oder der Sieg in FA oder Liga Cup wird, hat Klopp künftig nicht nur den Ruf eines Menschenfängers, sondern langsam auch den eines Losers. Der Ex-Dortmund-Trainer verlor alle seiner letzten sechs Finale und wurde in der Meisterschaft seit seinem England-Wechsel stets auf die Plätze verwiesen. Kloppo muss beweisen, dass er in entscheidenden Spielen, so wie ein Zinedine Zidane, das Sieger-Gen hat. Sonst wird die Stimmung in Liverpool vielleicht eines Tages doch gegen ihn kippen. Dann könnte ihm zum Verhängnis werden, was aktuell sein größter Trumpf ist – sein breiter Luxus-Kader mit Superstars. Er selbst hat mit seiner exzellenten Arbeit so extrem hohe Ansprüche geweckt, dass nur noch das Beste gut genug in Liverpool ist: Titel. Titel. Titel.