Der Junge ist so gut. Er wird Österreichs Nationalteam in den nächsten Jahren seinen Stempel aufdrücken. Vor allem auf unserer chronischen Problemposition.

Wenn Franco Foda den Namen Patrick Wimmer hört, wird ihm hoffentlich das Wasser im Mund zusammenlaufen. Denn der 20-jährige Jungspund ist drauf und dran, der nächste Superstar im österreichischen Nationalteam zu werden.

„Ich kann mich nicht erinnern, wann zuletzt ein österreichischer Spieler so jung schon so gut war. Ein sehr junger Yusuf Demir wird sehr hoch gehandelt, muss aber erst noch dauerhaft auf höchstem Niveau liefern. 

Daniel Hoffmann – Gründer und Autor von Fußball und Football News

So jung und schon so gut

Patrick Wimmer ist gerade einmal 20 Jahre alt, aber schon jetzt so dermaßen gut, dass er Bielefelds Fans und Trainer Woche für Woche mit seinen mannigfachen Künsten am Ball verzückt. Eigentlich wollten sie ihn auf der Alm als Rohdiamanten für die Zukunft holen. Doch der hochveranlagte Ex-Austrian Wien Kicker schlug von Beginn an ein wie eine Bombe. 

Wimmer, technisch enorm stark und mit einem begnadeten Talent für den letzten Pass ausgestattet, ist trotz seine jungen Alters der beste (!) Scorer seines Teams.

Der unbekümmerte Rechtsaußen mit den frechsten Aktionen aller Bielefeld-Spieler kommt auf zehn Scorerpunkte – darunter sieben Vorlagen und drei Tore. Damit hat Österreichs hoffnungsvolles Nachwuchstalent ein Tor mehr geschossen als Stürmerlegende Fabian Klos oder der aktuelle Stoßstürmer Janni Serra. Der einzige Bielefelder, der auch nur ansatzweise auf die Werte des U21-Spielers kommt, ist der frühere Salzburger Masaya Okugawa mit acht Toren und einer Vorlage. Ansonsten spielt Wimmer unter sämtlichen Offensivkräften Bielefelds in einer eigenen Liga.

„Er hat etwas Verrücktes, etwas Unbekümmertes, das uns sehr gut tut“, lobte Torhüter Stefan Ortega seinen Kollegen unlängst über den grünen Klee.

Wimmers größte Stärken

So jung und schon so eine verdammt gute Übersicht. Das ist sehr selten und verdammt beeindruckend. Patrick Wimmer, der auch im offensiven Mittelfeld eine Wucht ist, hat immer ein Auge für den besser postierten Mann. Austrias next Superstar kann seine Mitspieler mit perfekt getimten Pässen in die Tiefe vor dem Tor frei spielen. Der Niederösterreicher ist der Mann für den tödlichen Pass, wie seine unglaublich gute Bundesliga-Assiststatistik beweist.

Darüber hinaus übernimmt der Edel-Techniker so gut wie alle Standards und traut sich Aktionen zu, wie sie eben nur hoch veranlagten, unbekümmerten Spieler seines Alters gelingen. Der Gegner rechnet mit viel, aber nicht mit dem, was Wimmer gerade einfällt. Bester Beweis war Wimmers-Rabona-Trick zum 2:0 gegen Frankfurt (Torschütze Schöpf). Seit dieser fulminanten Toraktion ist Österreichs zu sichtlich Höherem berufener Jungstar in der ganzen Bundesliga bekannt. Wimmers fußballerischen Aktionen sind zwar unorthodox, aber fast immer effizient.

Eine weitere Stärke von Wimmer ist seine Ballgeilheit. Der aufstrebende Bundesliga-Spieler will immer den Ball haben. Das ist sehr beachtlich für einen gerade einmal 20-Jährigen. Die meisten Gleichaltrigen vermeiden diese Spiel-Verantwortung eher. Doch Wimmer ist der Kreativchef des Bielefelders Offensivspiels und Schaltzentrale. Seine Mitspieler wissen, wir müssen dem Patrick dem Ball geben, dann passiert was Gutes. 

Dementsprechend hält Wimmer nicht nur bereits bei einem Marktwert von 4 Millionen Euro, sondern wird auch von großen Klubs gejagt.  

Der U21 ist er mit diesen genialen Auftritten längst entwachsen. Wimmer gehört ins österreichische Nationalteam und zwar schon für die entscheidenden WM-Playoff-Spiele gegen Wales und dann hoffentlich Schottland oder die Ukraine (denen man es in Zeiten wie diesen mehr vergönnen würde).

Wimmer wäre ein riesiger Gewinn für das ÖFB-Nationalteam

Österreichs Teamchef Franco Foda hatte das gesamte letzte Länderspieljahr ein Riesen-Problem auf dem rechten Flügel. Patrick Wimmer kann dieses Problem mit seinen Qualitäten ad hoc in Luft auflösen.

2021 versagte zumeist ein Alessandro Schöpf auf dieser für ihn völlig ungewohnten Position rechts vorne. Der Tiroler, der ebenfalls in Diensten von Arminia Bielefeld steht, hier aber zentral aufläuft, war eine einzige Vorgabe als rechter Flügel. Der Foda-Liebling brachte nach vorne überhaupt nichts zuwege und konnte nach hinten nicht schnell genug absichern (wegen seines Speeddefizits).

Auch die von Foda ausprobierten Louis Schaub (Köln) oder Karim Onisiwo (Mainz) machten nicht nachhaltig auf sich aufmerksam. Der eigentliche Stammspieler rechts vorne im österreichischen Nationalteam, Valentino Lazaro, ist (auch verletzungsbedingt) die letzten zwei Jahre mehr oder weniger in der Versenkung verschwunden. Seine gezeigten Leistungen rechtfertigen schon lange keinen Startelf-Einsatz mehr.

Nein, den besten Mann, den wir für Rechtsaußen haben, heißt Patrick Wimmer. 

Wimmer muss in der ÖFB-Startelf stehen

Größter Profiteur einer Wimmer-Premiere im österreichischen Nationalteam wird Marko Arnautovic sein. Österreichs Starstürmer verhungerte in zahllosen Länderspielen viel zu oft als Sturmspitze, weil er keine brauchbaren Bälle von außen bekam (weswegen er sich oft zurückfallen lässt, um das Spiel in Schwung zu bringen). Mit Bielefelds Assistkönig Wimmer bekommt der Bologna-Striker endlich wieder jene Zuspiele von der Seite, von denen ein Stürmer lebt.

Zudem ist der Bielefelder einer, der selber torgefährlich ist und das allgemeine technische Niveau des österreichischen Nationalteams merklich erhöhen wird. Der kreative Wimmer kann den Ball mit seinen spielerischen Qualitäten sowohl im Mittelfeld klug verteilen, als auch schnell und gefährlich vertikal in die Spitze spielen.

Dieser Mann hat Österreichs Nationalteam – das zuletzt oft mit nur 10 Mann gespielt hat (ohne rechten Flügel) – dringend gefehlt. Der 20-jährige Jungstar der deutschen Bundesliga, der den „ARD-Sportschau“-Reportern Woche für Woche so viel Freude beim Kommentieren macht, wird Österreichs Nationalteam die nächsten Jahre enorm bereichern und die schwelenden Probleme auf dieser Position vergessen machen.

„Ich fühle mich bereit dafür und würde mich über einen Anruf des Teamchefs Franco Foda natürlich freuen. Für jeden Fußballer auf der Welt ist es eine Ehre, für sein Land antreten zu dürfen“, sagte der U21-Nationalspieler schon im Januar in einem Interview mit „Transfermarkt.de“. 

Patrick Wimmer, davon bin ich überzeugt, ist exakt jenes Puzzlesteinchen, das dem ÖFB-Team für eine erfolgreiche WM-Qualifikation so schmerzlich gefehlt hat.