Der Ex-Rapidler feierte diese Woche sein Debüt in der Champions League und ließ in der Liga sein 1. Bundesliga-Tor folgen. Ist der junge Brasilianer der nächste Shooting-Star von Hoffenheim?

Es war klar zu erkennen, dass er für die österreichische Bundesliga zu gut ist. Aber dass er in der deutschen Bundesliga so einschlägt, das war nicht zu erkennen. Tatsache ist: Joelinton schickt sich gerade an, eine große Karriere einzuschlagen. Unter der Woche seine Premiere in der Champions League, am Samstag sein 1. Tor in der Bundesliga. Joelinton Cassio Apolinário de Lira erlebt gerade die Zeit seines Lebens.

Durchbruch bei Rapid

Joelinton kam 2015 als blutjunger Teenager zu Hoffenheim. In seiner ersten Premieren-Saison war ihm gerade einmal eine einzige Bundesligaminute in der Partie gegen Schalke 04 vergönnt. Manchmal muss man im Leben zwei Schritte zurückmachen, um einen großen Schritt im Leben nach vorne machen zu können. Ex-Schalke-Manager Andreas Müller holte ihn 2016 zu Rapid. Im Nachhinein lässt sich sagen: die Leihe war das Beste, was Joelinton widerfahren konnte. Der junge Brasilianer kam als 19-Jähriger zum österreichischen Rekordmeister und in den zwei Saisonen auf 60 Bundesliga-Spiele, 15 Tore und 6 Assists. Mit diesen Statistiken zählte er in beiden Spielzeiten zu den absoluten Topscorern des österreichischen Hauptstadt-Klubs. Dazu kommen 6 internationale Europa League Spiele für Rapid, in denen er ebenfalls zwei Mal traf. In den zwei Jahren reifte der Brasilianer zu dem Fußballer, der er nun ist.

Nichtsdestotrotz: Dass er beim 3. der deutschen Bundesliga 2017/2018 so einschlagen würde, war nicht absehbar. Im Grunde war er im Hoffenheimer Ensemble als Ergänzungsspieler eingeplant, der langsam an die 1. Mannschaft herangeführt werden sollte. Ja selbst, ob er überhaupt über den Sommer hinaus bei Hoffenheim bleiben darf, stand lange Zeit in den Sternen. In der Sommervorbereitung schlug der Brasilianer aber mit seiner Dynamik, seinen Laufbereitschaft, seiner körperlichen Wucht und seinen klugen Pässen so ein, dass er umgehend bis in den Stamm der Hoffenheimer befördert wurde. Dem nicht genug, die Verantwortlichen versprechen sich noch viel mehr von Joelinton: „Wenn man die Trainings- und Testspiele sieht, dann muss man nicht viel Phantasie haben, dass da der Nächste kommt“, streute ihm schon vor ein paar Wochen TSG-Sportdirektor Alexander Rosen … Rosen.

Von 0 auf 100 im Kraichgau

Oftmals brauchen Brasilianer, bis sie sich in Deutschland eingelebt haben. Oftmals brauchen Fußballer aus der österreichischen Liga, bis sie sich in Deutschland zurecht finden. Nicht so Joelinton. Der inzwischen 22-Jährige startete ohne jedwede Anlaufschwierigkeiten sofort von 0 auf 100 durch: In allen vier Bundesliga-Spielen stand der Mittelstürmer, der auch hängende Spitze spielen kann, in der Startelf. 2x durfte er über 90 Minuten ran, 1x über fast 90 Minuten und 1x war nach 57 Minuten Schluss. Die Treue seines Trainers gipfelte am Samstagnachmittag im vorläufigen Höhepunkt, als Joelinton gegen das Schwerkaliber Borussia Dortmund seinen ersten Treffer in der Bundesliga erzielte. Nur drei Tage, nachdem er beim 2:2 gegen Schachtar Donezk in der Champions League debütierte. Wieder über ganze 90 Minuten. Davor steuerte er im DFB-Pokal mal eben drei Tore und einen Assist beim 6:1 Erfolg über Kaiserslautern bei. Es ist offensichtlich: Hoffenheim-Trainer Julian Nagelmann setzt zurecht auf den jungen Mann – und verzichtet lieber mal auf einen millionenschweren Einkauf wie Ishak Belfodil. Joelinton scheint im zweiten Anlauf bei der TSG der ersehnte Durchbruch zu gelingen.

Vom Schnäppchen zum Shooting-Star

Als er zu Hoffenheim wechselte, betrug sein Marktwert 1,25 Millionen Euro (Transfermarkt.de). Als er zu Rapid nach Österreich wechselte, betrug sein Marktwert auch 1,25 Millionen. Und als ihn Hoffenheim diesen Sommer zurückbeorderte, betrug sein Marktwert erneut 1,25 Millionen. Es darf getrost davon ausgegangen werden, dass es kein 4. Mal mit dieser Summe geben wird. Joelinton Cassio Apolinário de Liras Marktwert ist gerade dabei, durch die Decke zu gehen. Ein Name, den man sich merken sollte.