Gott sei Dank. Der Einäugige hat den Blinden geschlagen. Dank Burgstallers Tor hieß es am Ende „Drei Punkte statt Drei Niederlagen“. Die Länderspiel-Nachlese zu Österreich gegen Slowenien

 

ÖSTERREICH – SLOWENIEN

 

1:0

 

GUIDO BURGSTALLER  

 

QUALIFIKATION FÜR DIE EM 2020 – SPIEL 3

Die Aufstellung / Startelf gegen Slowenien

Die Spielanalyse

Die Startelf

Er durfte also weitermachen – Franco Foda. Der Deutsche vergeigte erst die Nations League und startete dann auch noch desaströs in die EM-Qualifikation. Mit zwei Niederlagen in zwei Spielen gegen die direkte Konkurrenz aus Polen und Israel im Kampf um einen Teilnahme an der Europameister 2020. Gegenüber der verheerenden Pleite bei Andi Herzog in Israel tauschte Österreichs Teamchef für das Slowenienspiel, bei dem es letztlich auch um seinen eigenen Job ging, System und einige wenige Spieler. Der Teamchef stellte auf Viererkette um. Konrad Laimer feierte sein Länderspieldebüt. David Alaba ersetzte den verletzten Julian Baumgartlinger als Kapitän.

Hinteregger sollte Kapitän werden  

Mit David Alaba als Kapitän wäre die Titanic noch viel schneller gesunken. Wir hatten im österreichischen Nationalteam viele exzellente Kapitäne. Pezzey, Herzog, ja selbst Ivanschitz. Seit ein paar Jahren scheint das ÖFB-Nationalteam ziemlich führungslos. Julian Baumgartlinger ist ein guter Kapitän, aber keiner, der Missständen entgegensteuert oder Unangenehmes an- und ausspricht.

Soll ich dir sagen, wer ein guter Kapitän wäre? Martin Hinteregger! Er nimmt sich kein Blatt vor dem Mund, ist in der Mannschaft anerkannt und geht mit sportlicher Top-Leistung voran. In Wahrheit haben wir neben A&A – Alaba und Arnautovic – mit Martin Hinteregger längst einen neuen Superstar im Team. 

Unzufriedenheit in der ÖFB-Elf

Das Problem ist, wenn Dinge nicht angesprochen werden: Die Probleme verschwinden nicht. Im Gegenteil: Sie werden größer und sie werden mehr. Sabitzer motzte, als er in Hälfte 2 raus musste (obwohl er in dieser echt ein unsichtbares Phantom war). Marco Arnautovic schmeißt wie in seinen ärgsten Bad Boy Zeiten auf dem Feld mit Schuhen um sich. Disziplinlosigkeiten, die jetzt kein Weltuntergang sind, die aber absolut der dringlichen Regelung bedürfen. Sonst wird das ÖFB-Team mit seinen undisziplinierten und unzufriedenen Spielern peu a peu zum Pulverfass.

Zwei Personen  – neben dem Teamchef natürlich – waren gestern geeignet und von Amtswegen dafür vorgesehen, die vorgefallenen Querelen im Nachgang professionell zu regeln. Der Kapitän und der Vizekapitän. Also Alaba und Arnautovic. Doch der Eine hat diese Qualität nicht – und der Andere ist oft selbst der Ursprung von Problemen (auch wenn er sportlich gesehen mit seinen vielen Toren viele Probleme formidabel verschwinden lässt). 

Viele Baustellen für den ÖFB

Neben sportlichen Sorgen existieren auch viele Probleme im Umfeld. Die Fans boykottieren die Nationalelf. Wann hat es das zuletzt gegeben? Die rot-weiß-roten Anhänger sind in vielerlei Hinsicht unzufrieden mit dem Team. Daher distanzieren diese sich zunehmend vom ÖFB. Im Fokus der Unzufriedenheit der Fans stehen die teuren Kartenpreise, die Spielstättenauswahl, die Spielerauswahl und die Distanziertheit der Spieler gegenüber den Fans. 

Ein weiterer Brandherd, den es seitens des Verbandes rasch zu löschen gilt. Die sportliche Leistung ist immer auch ein Abbild des Umfelds – und da brodelt es gehörig.  

Länderspiele sind wieder so fad

Geht es nur mir so oder sind die ÖFB-Länderspiele wieder ziemlich fad geworden? Es fehlt die Begeisterung vergangener Tage – auf und neben dem Feld. Die Spiele plätschern so dahin. Mit Foda und Schöttel sind zwei sehr integre und honorige Menschen im Nationalteam am Ruder, die aber beides echte Schlaftabletten sind. In meinen Augen hat es den Anschein, dass die Führungskräfte ihr Phlegma auf die Mitarbeiter übertragen haben. Ich ertappe mich bei Österreich-Spielen immer öfter dabei, langweilige Phasen mit meinem iPad zu füllen. In der Mannschaft ist irgendwie kein Feuer drin (siehe auch Punkt „Unzufriedenheit“). Fodas Ziel ist 1:0 zu gewinnen. Sein propagierter Sicherheitsfußball wirkt sich leider höchst negativ auf den Unterhaltungswert von Österreichischen Länderspielen aus. 

Wieso ausgerechnet in Klagenfurt gegen  Slowenien?

So kann man sich einen Heimvorteil auch zunichte machen. Klagenfurt ist einen Katzensprung von Slowenien entfernt, dementsprechend proppevoll war das Wörthersee-Stadion – und zwar mit Slowenen. Sehr ungeschickt, lieber ÖFB. Ein mögliches Türkei-Match spielen wir dann bitte unbedingt in Wien. Geld > Erfolg 

Magisches Dreieck ohne jedwede Zauberkraft 

Wir haben vorne ein spielstarkes, technisch sehr versiertes „Magisches Dreieck“ bestehend aus Arnautovic, Sabitzer und Lazaro. Allein: Nur einer trifft von den Dreien – und das ist Arnautovic. Sabitzer und Lazaro sind hervorragende Vorbereiter, schießen aber selber keine Tore. Das ist vielleicht die größte Baustelle im Team. Und damit der Ära Foda. Der Teamchef vertraut Spielern, die keine Tore schießen. Ohne Tore gewinnst du aber keine Spiele und fährst nicht zur EM (okay, 5 Euro ins Phrasenschwein).

Wieso hat Onisiwo wieder keine Chance bekommen? 

Der torgefährliche Angreifer aus Mainz ist seit Monaten unser leistungsstärkster und treffsicherster Spieler. Das dazu noch in der deutschen Bundesliga, einer der besten Ligen der Welt. Und trotzdem spielte Onisiwo gegen Slowenien bei Foda wieder nicht. In Deutschland im Frühling zum absoluten Shooting-Star aufgestiegen und Torgarant beim Mittelständler Mainz – für Österreich, nein, für Foda aber zu schlecht. Wieder einmal vertraut der Teamchef auf seine bewährten statt die form- und leistungsstärksten Spieler. 

Wissen Sie, wann Alaba sein letztes Tor im Team schoss? 

Noch ein Problem ist die zumeist ungenügende Leistung von David Alaba im Nationaldress. Obwohl er im Team viel offensiver als bei den Bayern spielt, zudem viel mehr Freiheiten genießt und die meisten Standards tritt, hat unser Kapitän das letzte Mal im September 2018 ein Tor geschossen. Alaba kann seine Torsperre frühestens im September 2019 durchbrechen, da er am Montag gegen Nordmazedonien verletzt ausfällt. Ein Jahr ohne Tor. Kein schöner Jahrestag für den Bayernstar, der sich ja immer als Offensivkraft im österreichischen Nationalteam sieht. 

Länderspiel-Debüt von Konrad Laimer

Durch den Ausfall von Kapitän Baumgartlinger feierte der Leizpig-Allrounder seine Premiere im Österreichischen Nationalteam. Der Youngster spielte unaufgeregt bei seinem Debüt, stopfte mit seiner Schnelligkeit viele Löcher in der Rückwärtsbewegung. Zudem spielt Laimer einen feinen Pass. Da wächst einer heran. Wer seinen Fighting-Spirit während des Spiels und sein Interview nach Spielende verfolgte – reflektiert, rhetorisch beschlagen, intelligent – kann davon ausgehen, dass Konrad Laimer eines Tages ÖFB-Teamkapitän sein wird (mindestens Vize-Kapitän).  

Zum Positiven

* Sehr viele Positionswechsel von Sabitzer, Lazaro, Arnautovic, Alaba und Co. – so flexibel wie wir spielten, kamen die Slowenen nicht mehr mit. Foda kündigte nach dem Israel-Spiel an, Veränderungen vornehmen zu wollen. Das war so eine (sehr gelungene)
* Das Kurzpass-Spiel unserer Kicker funktionierte mitunter exzellent
* Dravovic und Hinteregger werden im Verbund immer mehr zu einer Bank. Auch die Außenverteidiger lassen wenig zu (vorne beim Gegner hat ihnen Foda aber sichtlich ein Aufenthaltsverbot erteilt).  

Österreichs potenzieller neuer Teamchef saß schon auf der Tribüne

Franco Foda hatte Glück. Der 1:0-Sieg rettete ihm vermutlich seinen Job als ÖFB-Teamchef. Bei einer Niederlage wäre er wohl endgültig gewesen. Selbst bei einem Remis hätte es viele Diskussionen um seinen Person gegeben. Interessierter Beobachter auf der Tribüne: Der vereinslose Peter Stöger. Der frühere Köln- und Dortmund-Trainer hat wohl schon mal vorsorglich seine mögliche neue Mannschaft unter die Lupe genommen.  

Man Of The Match

Burgstaller, ganz klar. Ohne sein Tor wären wir nach drei Spieltagen schon ohne jede Chance in der EM-Qualifikation. Auf Schalke längst ein Held, nun auch Retter Österreichs

Der Gegner Slowenien

Viel schlechter als Polen und Israel. Vor dem Spiel noch große Reden geschwungen, dass man mit Österreich auf Augenhöhe sei und beleidigt gewesen, weil Alaba die Spieler nicht beim Namen kannte – und dann so eine miese Vorstellung der Slowenen. Unter dem Strich blieben ein paar Kopfbälle, die Gott sei Dank ihr Ziel verfehlten, und ein Gegner, den wir auch auswärts schlagen müssen. Ohnehin gilt es für unser Nationalteam, da Polen und Israel gestern blöderweise beide drei Punkte einfuhren, nun jedes Spiel ohne Wenn und Aber zu gewinnen. 

  • Die österreichische Leistung gegen Slowenien 65% 65%

„Der Sieg ist hochverdient. Wir wollten viel über die linke Seite angreifen, das ist uns gut gelungen. Leider haben wir zu viele Chancen vergeben, aber wir haben den Glauben nie verloren. Am Ende hatten wir nochmal Glück.”

ÖFB-Teamchef Franco Foda kann etwas durchatmen, die ersten drei Punkte für Österreich sind fix

„Eines ist wichtig: Es ist noch lange nicht vorbei.“

Marko Arnautovic glaubt weiterhin an eine EM-Teilnahme Österreichs

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Ausgewählte Statistiken zum Spiel

%

aller ÖFB-Team-Tore fallen unter Teamchef Franco Foda nach Standards. Ist das gut oder schlecht? Schlecht! Unter Koller waren es noch 20 Prozent

Tore schoss Burgstaller als Stürmer in 24 Spielen im Nationalteam. Auch er spielt im rot-weiß-roten Dress schlechter als in seinem Verein

Spiele in Serie hat Österreich noch nie bei einer WM- oder EM-Qualifikation verloren. Nach dem 1:0-Sieg über Slowenien bleibt´s dabei

Ausblick aufs nächste Länderspiel – Was gegen Nordmazedonien besser werden muss

1. Unseren derzeit besten Bundesliga-Legionär gleich in der Startelf bringen: Karim Onisiwo 

 2. Kaum stand Burgstaller neben Arnautovic vorne drin, klingelte es auch schon. Foda sollte neben Arnautovic auch mal einen zweiten oder *huch* gar dritten Spieler in den Strafraum beordern. 

 3. Gestern war Life Ball. Diesen würden wir uns auch für den Dienstag wünschen. Österreich spielt oft wie mehr wie auf einem Death Ball, so leblos.  Einmal keine Zitterpartie bitte. Wir wollen eine rauschende Ballnacht.