Angekündigte Revolutionen finden nicht statt. Tiefgreifende Veränderungen kündigten die DFB-Granden nach dem peinlichen WM-Aus in der Vorrunde in Russland an, geworden sind es kleinere Adaptierungen. Bundestrainer Joachim Löw entschied sich für eine Mini-Evolution statt einer alles verändernden Revolution. 

* Eine Analyse des Länderspiels gegen Frankreich

* Die Rückkehr der Ochsenkette

* Ein neuer Sechser im Team

* Deutschland hat ein Stürmerproblem

* Statistiken zum Spiel

* Sowie ein kleiner Ausblick auf das nächste Ländermatch

Systemwechsel

Löw verabschiedete sich im Spiel 1 nach dem WM-Desaster von seinem Lieblings-System 4-2-3-1. Er ließ in Kovacs neuer Bayern-Formation 4-1-4-1 spielen. Mit Kimmich auf der 6, davor die zwei Achter Goretzka und Kroos. Müller und Werner übernahmen die Flügel und Reus durfte sich als Stürmer versuchen.

Die Rückkehr der Ochsenkette

Auch bei der defensiven Vierer-Kette veränderte Löw so einiges. Im Zentrum spielten zwar wie gewohnt Boateng und Hummels. Auf den Außen setzte es aber zwei handfeste Überraschungen. Rechts lief Ginter statt Kimmich auf, links bekam Rüdiger in Abwesenheit von Jonas Hector den Vorzug gegenüber Nico Schulz. So sehr die Aufstellung mit 4 Innenverteidigern verwunderte, letzten Endes ist sie alles andere als neu im deutschen Nationalteam. Denn so wurden wir 2014 Weltmeister. Mit Höwedes auf links, Boateng auf rechts – und Hummels und Mertesacker in der Mitte.

Einer neuer Sechser im Team

So wie bei der WM 2014 rutschte der etatmäßige Rechtsverteidger nach Installierung der Ochsenkette auf die 6er-Position. Vor vier Jahren rochierte Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm, gegen Frankreich wurde Joshua Kimmich auf die zentrale Position befördert, die er gelernt hat und auf der er schon immer spielen wollte. Er machte seine Sache so gut auf der 6 – war bissig, zweikampfstark, stark im Aufbauspiel -, dass er diese wichtige Rolle sicherlich nicht das letzte Mal gespielt haben wird. Zum Leidwesen des bei der WM in Russland so behäbigen Sami Khedira. Dessen mögliches Teamcomeback wird durch die Glanzvorstellung des jungen Kimmich deutlich erschwert. Zumal Löw inzwischen verkündete, dass er auf dieser Position mit dem Bayern-Spieler mindestens für die „nahe Zukunft“ plant.

Reus als falsche 9

Gomez zurückgetreten, Wagner zurückgetreten, Petersen gut aber nicht exzellent. Also musste Löw bei der Stürmer-Frage improvisieren, zumal er Werner wie schon bei der WM auf den linken Flügel stellte. Marco Reus durfte sich probieren, viel aber nicht weiter auf. Löw möchte eine Art falsche 9 als Wandspieler im Sturm haben. Jemand, der die Bälle hält und verteilt, um so mit passgenauen Zuspielen Raumgleiter Thomas Müller und Speedy Gonzalez Timo Werner gefährliche Aktionen im gegnerischen Strafraum zu ermöglichen.

Deutschland hat ein Stürmerproblem

Kein Tor gegen Mexiko. Kein Tor gegen Südkorea. Kein Tor gegen Frankreich. Deutschland war einst die Grande Nation (sic!) großer Stürmer (Gerd Müller, Rudi Völler, Miroslav Klose). Heute sind wir vorne nicht mehr gefürchtet. Ein echter Knipser fehlt – wie vor allem die Spiele gegen Frankreich (einige sehr gute Chancen) oder Südkorea (noch mehr Chancen) zeigten.

Neue Stärke bei Standards

Wenn die Stürmer nicht treffen, müssen eben Andere die Tore schießen. Ein angenehmer Nebeneffekt der Aufstellung mit 4 Innenverteidigern ist eine neue Torgefahr bei Offensiv-Standards Gleichzeitig sollte bei gegnerischen Standards im eigenen Strafraum bei so viel Defensiv- und Kopfballpower weniger anbrennen.

Kein Debütantenball

Drei neue Spieler berief Löw in den Kader ein. Havertz, Schulz und Kehrer. Kein Einziger spielte. Löw vertraut sichtlich weiter auf seine WM-Versager. Die große Stunde der Neuen dürfte im bedeutungslosen Testspiel gegen Peru Sonntagabend kommen. Letzter Debütant unter Löw? Nils Petersen.

„Mit dem Ergebnis und dem Spiel kann ich sehr gut leben“
Bundestrainer Joachim Löw

Ausgewählte Statistiken zum Spiel

Siege gab es nur für Deutschland aus den letzten 10 Spielen

Millionen Fernsehzuschauer sahen das Spiel 1 nach dem WM-Aus - ein stolzer Marktanteil von 39,02 Prozent

Spiele in Serie konnte Deutschland gegen Frankreich nicht mehr gewinnen. Zuletzt bei der WM 2014 im Viertelfinale

Ausblick aufs nächste Länderspiel – Was gegen Peru besser / anders werden muss

  1. Mehr Effizienz im Abschluss
  2. Offensivpower wieder stärker aufs Feld bekommen
  3. Außenverteidiger müssen mehr für die Offensive tun
  4. Neuen Spielern wie Havertz, Kehrer oder Schulz eine Chance geben